Die Speerschleuder

Eine Speerschleuder dient der Verlängerung des wirksamen Hebelarmes, um Wurfkraft und -weite zu vergrössern. Holz ist der dafür am besten geeignete Werkstoff, falls man sich in etwa an prähistorische Vorbilder halten möchte. Ein rostiger Nagel, quer durch eine Dachlatte geschlagen, ist mit Sicherheit keine Lösung.
Geeignete Holzarten sind in grosser Auswahl vorhanden. Der Ast sollte leicht und stabil sein und eine Länge von 50 bis 70 Zentimetern aufweisen. Ein Durchmesser von ca. 30 bis 40 Millimeter liegt gut in der Hand. Meines Erachtens ist Esche als Speerschleuder bestens geeignet, vermutlich wird es nur durch Eibenholz getoppt. Schwere Harthölzer, wie Buche oder Eiche sollten nicht benutzt werden. Für den Anfang tut es sicherlich aber auch ein Haselnuss-Ast.

Eine Speerschleuder lässt sich in vielfältiger Ausführung fertigen. Das Hakenende kann aus Horn eingesetzt werden, der Griffbereich kann mit Lederstreifen umwickelt werden. Gerade die prähistorischen Hakenenden sind wunderschöne Kleinkunstwerke. Vielfach sind es Tierdarstellungen wie z. B. Mammut oder Wildpferd. Es sieht so aus, als wären sie aus einem sich gabelnden Geweihstück entstanden. In dieser Bauanleitung zeige ich mein Erstlingswerk (siehe Titelbild), eine aus einem Stück geschnitzte Speerschleuder.
Wie ihr schon jetzt unschwer erkennen könnt, enthält das Thema schon jetzt eine Menge Möglichkeiten zum Experimentieren, die sich durch den Bau der Speere noch vervielfältigen werden.

Bei Schleudern, die einen geschnitzten Haken am hinteren Ende bekommen werden, bevorzuge ich einen leicht gebogenen Ast. Dabei sollte das dickere Ende für den Haken, der dünnere Bereich dementsprechend für den Handgriff vorgesehen werden. Die Erklärung dafür ist einfach. Um den Haken auszuformen, muss am Schaft viel Material abgearbeitet werden. Das dünnere Ende wäre danach im Querschnitt zu schwach.
Nach dem Abschneiden vom Baum muss der Ast sorgfältig entrindet und, damit das Holz keine Risse bildet, schonend getrocknet werden. (Ganz Eilige, wie ich, fangen sofort an zu schnitzen).
Der Ast wird mit einem scharfen Messer vom dünneren Ende aus nach hinten an den beiden Seiten abgeflacht. (siehe Abb. 1)
Das Auskerben des Hakenendes erfolgt mit ein paar Schnitten.
Danach wird der Schaft mit der Messerklinge zum Hakenbereich hin schlanker und rund geschabt und das Hakenende nach hinten verjüngt.
Mit einer Holzraspel oder Feile (rund, bzw. halbrund) kann der Schaft und das Hakenende anschliessend feiner ausgeformt werden.
Am Ende erfolgt ein mehrmaliges Schleifen mit immer feiner werdendem Schmirgelpapier.
Zuletzt kann das Holz mit Holzbeize getönt werden und sollte danach aber auf jeden Fall imprägniert werden. Das funktioniert durch Auftragen von ausharzenden Ölen, wie Schaftöl oder Leinöl, Schuhcreme, Bienenwachs, usw..

Ein Tipp zum Schluss: Verzichtet bei eurer Speerschleuder auf einen am Handgelenk befestigten Fangriemen. Wenn das Gerät beim Wurf mit losgelassen wird, lasst es doch dem Speer hinterher fliegen ( ... vielleicht haben die Aborigines in Australien so den Bumerang erfunden? ;-) ). An die Hand gebunden, würde euch die Schleuder vielleicht auf die Kniescheibe schlagen oder womöglich noch Edleres treffen.