Speerschleuder mit eingesetztem Hakenende

Die oben abgebildete Schleuder besteht aus einem Schaft aus Weissdornholz mit einsetztem Hakenende aus Kunstharz. In der Regel werden Hakenenden aus Horn oder Elfenbein geschnitzt. Da mir aber diese Materialien fehlen, bzw. sehr teuer sind habe ich mich für die Fertigung mittels Kunstharz entschieden. Ich bin mir darüber im Klaren, dass vermutlich nur wenige die technischen Möglichkeiten zum Nachbau besitzen. Trotzdem möchte ich diese Methode aufzeigen, da sich die Hakenenden beliebig reproduzieren lassen und ich somit auch andere daran teilhaben lassen kann. Das Harz findet normalerweise im professionellen Modellbau (Giesserei) Verwendung. Es ist zähhart und leicht federnd. Nicht eingefärbt erinnert es im Farbton an Elfenbein, was bei diesem Thema durchaus erwünscht ist.

 


Als erstes wird ein Modell gefertigt. Dieses besteht aus einem Aluminiumschaft und einem mit Kunststoff angespachteltem oberen Haken. Die Langlöcher sind eingefräst, die rote Farbe ist Modell-Lack und wirkt wie Feinspachtel.

 


Über das obige Modell wird die erste Hälfte eines Negativs gegossen. Das Material hierfür könnte z. B. Gips sein, der sehr preiswert, aber nicht maßhaltig und dauerhaft ist. Besser ist auch hier die Verwendung von Kunstharz.
Nach der Aushärtung des Harzes verbleibt das Modell im Negativ und die zweite Hälfte kann gegossen werden. Nach dem Härten werden die beiden Hälften getrennt und das Modell wird entnommen.
Setzt man die Hälften zusammen, kann man sich den Hohlraum in Form des Hakenendes vorstellen.
Es muss noch der Einguss mit einem Fräser heraugearbeitet und an bestimmten Stellen kleine Kanäle zur Luftabfuhr gefräst werden.
Das Negativ ist somit produktionsbereit. Im Bild sieht man einen bereits gegossenen Rohling in der unteren Form. (Die gelben Adern sind mit Plastilline verschlossene Luftkanäle aus Vorversuchen.)

 


Nach 24 Stunden kann das Hakenende der Form entnommen werden. Rings um die Teilung verläuft ein dünner Grat. Rechts vom Schaft lässt sich der Einguss erkennen, darüber ausgehend von der Hakenspitze nach rechts die Luftabführung.

 



Der dünne Grat wurde einfach entfernt und der Einguss mit einem Messer abgeschnitten.

 


Der verbliebene Restgrat wird mit einer Messerklinge abgeschabt und mit feinem Schmirgelpapier beigeschliffen. Abschliessend wird die Oberfläche poliert. Nach einer 'Reifezeit' von weiteren zwei Tagen nach dem Giessen ist das Hakenende einsatzbereit. Aus Gründen der Stabiltität ist der Querschnitt leicht oval (Höhe = 14 mm, Breite = 12 mm). Die Langlöcher sind leicht nach oben versetzt, um das Ganze tiefer im Holzschaft einbetten zu können.

 



Das hintere Ende des Holzschaftes wird mit geeignetem Werkzeug ausgefräst. Sehr efffektiv ist hier ein 'Dremel', eine kleine Handmaschine für rotierende Werkzeuge, in Zusammenarbeit mit Stech- und Hohleisen.

 


Wie im Bild ersichtlich, habe ich die Teilung ein paar Millimeter abgesenkt, um eine tiefere Bettung des Hakenendes im Schaft zu erreichen. Die ca. 20 mm breiten Nuten auf der Unterseite des Schaftendes verhindern ein Verrutschen der Lederriemen.

 


Das Hakenende wurde im unteren, verdeckten Teil mit einer Raspel grob aufgerauht und mit Zwei-Komponenten-Kleber in die Aussparung gesetzt. Das garantiert einwandfreien und festen Sitz im Schaftende.

 



Die Umwicklung besteht aus zwei Lederriemen mit einem Durchmesser von ca. 1,5 mm und einer Länge von einem Meter, wie sie an diversen Verkaufsständen in Fussgängerzonen grösserer Städte erhältlich sind. Dort bekommt man auch die Riemen (ca. 3 x 3 mm, 2 m lang), wovon ich zwei Stück für die Griffumwicklung gebraucht habe.

 

Anmerkung: Wem die technischen Möglichkeiten fehlen, ein Hakenende wie oben beschrieben zu erstellen, kann den Haken zum Beispiel auch aus Hartholz (z. B. Buche oder Ahorn) schnitzen. Durch unterschiedliche Holzarten bzw. -beizungen von Speerschleuder und Haken und durch die Befestigung mit Lederriemen können sehr ansprechende optische Effekte erzielt werden.

 
 

Im Downloadbereich findet sich eine hochauflösende Grafik der vollständig bemaßten Zeichnung des Hakenendes.